STEFAN ROCHOW

Journalist & Autor

Acta diurna

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08.April 2013

„Vergebung ist der Schlüssel,
der die Handschellen des Hasses
aufschließt.“

Corrie ten Boom

21.November 2012

Nicht jeder der christlich dahergesegelt kommt, verhält sich auch christlich! Dieser Gedanke kam mir in den letzten Wochen mehrmals. In der Kirche kommt man meistens gar nicht mehr aus der Kniebeuge nach oben, weil man sich beobachtet wähnt und daher ein möglichst perfektes katholisches Schauspiel abliefern möchte. Verläßt man die Kirche, dann hat man auch jede christliche Regung in sich totgeschlagen. Dann wird es plötzlich herzlos und kalt. Hier kommen dann die Ellenbogen gegenüber den Mitmenschen zum Einsatz.

Wahrscheinlich sind bei diesen Menschen Heuchelei und äußeres Frommtun das Flittergold der eigenen Schlechtigkeiten. Das kann einen aufregen, wütend machen oder man erkennt einfach, dass solche Menschen einfach nicht satisfraktionsfähig sind. Letzteres scheint mir die sinnvollste Lösung. Akzeptieren wir einfach, dass solche Menschen einfach auch ein weißes Hemd für ihren schäbigen Charakter benötigen.

25.April 2012

Die Vorfreude war am Samstag gross: Die „Bild-Zeitung“ kündigte eine deutschlandweite Briefkastenaktion an. Was ich dann aber in der Hand gehalten habe, war enttäuschend. Das Sprachrohr der Massen feiert sich selbst und lieferte somit ein PR-Instrument aus, dass sich ausschließlich um Bild drehte. Alles in allem, ein bisschen zu wenig.

21.April 2012

In der Diskussion um das Betreuungsgeld, wird immer wieder von „bildungsfernen Familien“  geredet. Früher redete man vom Plebs – heute werden die Dinge natürlich etwas beschönigender ausgedrückt. Wenn ich mir  die Finanzpolitik unseres Staates und die Haushalte ansehe, dann empfinde ich vieles dort ebenfalls als „bildungsfern“. Ob diese Politiker aber aus „bildungsfernen Familen“ kommen,  kann ich nicht einschätzen und möchte ich daher auch nicht unterstellen.

6.April 2012

Dass ich einmal in die Verlegenheit kommen würde, Günther Grass gegen überzogene Angriffe verteidigen zu müssen, hätte ich mir nie träumen lassen. Manchmal ist es eben verrückt. Ich finde es weder passend noch zutreffen, was Grass in seinem Gedicht schreibt. Kritik an der Atompolitik Israels, wie von Grass vorgetragen, ist unpassend, verkürzt und absolut verengt. Es ist aber kein Antisemitismus. Ich halte daher von solchen Kampagnen gegen Einzelpersonen überhaupt nichts. Grass ist ein völlig überschätzter Schriftsteller und sein moralides Verhalten in der Vergangenheit ist widerwärtig. Wir verharmlosen Antisemitismus aber, wenn wir ihn als Totschlagebegriff verwenden.

16.März 2012

Die Buchmesse in Leipzig läuft und Christian Kracht las aus seinem vermeintlichen Skandalbuch „Imperium“. Verarbeitete Kracht in seinem neuen Werk „Nazi-Fantasien“ oder nicht – das war die Frage, die viele Zuhörer hatten.

„Herr Kracht, warum äußern Sie sich nicht endlich mal zu der ganzen Debatte?“

Kurze Pause.

„Warum sollte ich?“

„Vielleicht, weil es um ihre Person geht, und ganz allgemein um die Frage, was Literaturkritik darf und was nicht?“

Kurzes Lächeln.

 „Das ist doch alles nur ein Spiel, ich habe diese Texte doch gar nicht gelesen.“

Ein sehr souveräner Umgang mit den Vorwürfen gegen sich: Lächeln und drüber hinweggehen. Man muss tatsächlich nicht über jedes Stöckchen springen, was einem hingehalten wird.

Auffallend viele junge Leute lauschten der „Leipzig liest“-Lesung. Sie wollten wissen, wie Kracht ist, tuschelten über den Autor, ohne auch nur einen Satz von „Imperium“ gelesen zu haben, wie sie selbst zugeben.

Hinterher sagt ein junger Student: „Der Kracht ist ja gar kein Nazi.“

11.März 2011

Manchmal ist es sinnvoll, genau hinzuhören. Beim Zappen durch die Fernsehlandschaft bin ich heute bei WDR hängengeblieben. Die Sendung „Cosmo TV“ beschäftigte sich  in einer Extraausgabe mit dem Thema Rechtsextremismus. Unter anderem wurde ein Projekt am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Pulheim „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ vorgestellt. Der Lehrer auf sein Projekt angesprochen, spricht in die Kamera, er wolle die gesellschaftlichen Verhältnisse überwinden. Ich werde hellhörig: Was hatte das mit dem Projekt zu tun? Welcher Geist spricht hier aus dem Lehrer?

Statt Bekenntnis zu unserer freiheitlichen Grundordnung als ein schützenswertes Gut, gerade gegen totalitäre Angriffe, also Überwindung der gesellschaftlichen Verhältnisse. Sicherlich gibt es Mängel. Über die gilt es zu reden und Unzulänglichkeiten müssen verbessert werden. Das System in der Gesamtheit in Frage stellen, die Verhältnisse überwinden – vor allem in welche Richtung überwinden? Mich machten die Worte des Lehrers nachdenklich. Diese Melodie der Systemüberwindung kennen ich aus meiner rechtsextremistischen Vergangenheit. Daher werde ich heute besonders hellhörig, wenn diese Melodie angestimmt wird. Wer dem Rechtsextremismus selbst totalitäre Denkmuster entgegensetzt, macht sich unglaubwürdig. Wenn hinter dem Kampf gegen Extremismus nicht ein klares Bekenntnis zur Freiheit steht, aus der heraus die Verantwortung für Menschen- und Bürgerrechte erwachsen muss, dann muss man das Wollen derjenigen, die vorgeben dem Rechtsextremismus in unserem Lande entgegentreten zu wollen, kritisch und laut hinterfragen. Falsche Propheten haben unser Land schon mehrmals in Abgründe geführt.

27.Februar 2012

Heute wurde die Frühjahrshauptversamlung der Deutschen Bischofskonferenz in Regensburg eröffnet. Was hätten wir uns alles auf der Tagesordnung gewünscht: Nachbereitung des Papstbesuchs im vergangenen Jahr, Aufnahme von Anregungen des Hl. Vaters oder Planung des ausgerufenen Jahr des Glaubens.  Alles Fehlanzeige: wieder einmal nur Selbstbeschäftigung. Alles symtomatisch für den Zustand der Katholischen Kirche in Deutschland.

15.Februar 2012

Ein sogenanntes „Truth Team“ (Wahrheitsmannschaft) soll Präsident Obama im US-Wahlkampf unterstützen. Die Wortwahl ist verräterisch und wirft fragen auf: Meinten bisher nicht immer nur totalitäre Systeme daran, die Wahrheit gepachtet zu haben?

In einer Gesellschaftsordnung, die selbst damit wirbt, dass Entscheidungen im pluralistischen Diskussionsprozess und durch Kompromisse fallen, sind Signale, die Wahheit alleine zu besitzen, völlig fehl am Platz. Hier schimmert ein Geist hervor, der zu Ende gedacht gefährlich ist. Also Finger weg von solchen Experimenten…

13.Februar 2012

Der Generalbundesanwalt hat Hoffnungen auf ein erfolgreiches NPD-Verbot nach der rechtsextremen Mord-Serie gedämpft. Die NSU sei kein militanter Arm der NPD, so Range.

Alle, die sich so gerne der NPD schnell entledigt hätten, haben damit einen Dämpfer bekommen. Schön wäre es für die meisten Politiker hier gewesen: Sich der Partei entledigen, sich nicht mit der Ideologie auseinandersetzen zu müssen, noch einmal darauf hinweisen, wie schlimm man das Gedankengut der NPD findet und dann aber schnell wieder in die Gartenzwerg-Idylle zurück. Diese Illusion scheint nun zu platzen. Auseinandersetzung ist  das Gebot der Stunde. Man darf gespannt sein, wer diesen Mut in der Politik aufbringen wird. Auf Geheimdienste und BKA würde ich mich hierbei aber nicht verlassen.

12.Februar 2012

Eigentlich ist 48 Jahre kein Alter um zu sterben. Whitney Houston ist nun tot. Traurig, geschockt, aber nicht wirklich überrascht – so kann man die ersten Reaktionen zusammenfassen. Mich verwundert in solchen Fällen immer die erzeugte Massentrauer. Viele Menschen – die nie eine persönliche Beziehung zum Toten oder zur Toten hatten – sind tief traurig, legen Blumen ab und sind ganz geschockt. Eltern oder Großeltern leben hingegen in Einsamkeit und werden nie besucht. Backt einen Kuchen und kümmert Euch um Eure Nächsten – das wäre eine schöne Geste!!!!

18.Januar 2012

Heute hat das Bundeskabinett die sogenannte Neonazi-Datei beschlossen. Es bleibt abzuwarten, ob dieser Beschluss am Ende wirklich etwas bringt. Es gilt dringend aufzuklären, welche Rolle  staatliche Behörden wie zum Beispiel der Verfassungsschuz im Zusammenhang mit der  Terrorzelle NSU gespielt haben. Hier stünde es der Politik gut an, klar nachzuweisen, dass es keine Unterstützung durch staatliche Behörden gegeben hat.

17.Januar 2012

„Döner-Morde“ – so heisst diesmal das Unwort des Jahres. Es ist tätsächlich ein perfides Wort, da hinter diesem ein kaltblütiger Mord an Menschen steht. Zu keinem Zeitpunkt sind Döner umgebracht worden.

Haben wir vergessen, wie wichtig es für eine ethisch intakte Gesellschaft ist, den Schutz und den Wert des Lebens zu garantieren? Das Unwort des Jahres sollte das wieder einmal in Erinnerung zurückrufen.

13.Januar 2012

Heute geht in Europa die Angst um. Viele Staaten in Europa – so ist es zumindest von Ratingagenturen angekündigt – werden in ihrem Rating herabgestuft. Was das für den „Rettungsschirm“ bedeuten wird, ist im Moment völlig ungewiss.

Die desintegrierenden Kräfte der kapitalistischen Ökonomie und der  Politik, aber auch die Konsumwut des Bürgers haben eine Suppe gekocht, von der man nicht weiss, ob sie auch in der Lage sein werden, diese auszulöffeln. Man tut jedenfalls gut daran, wieder an das Verzichten zu denken und sich in Demut zu üben.

08.Januar 2012

Heute ist Roland Baader, ein Freiheitsfanal und ein aufrichtiger Verteidiger der Marktwirtschaft gestorben.

„Wer die Sicherheit der Freiheit vorzieht, wird immer in der Unfreiheit landen – und damit in der schlimmsten Unsicherheit, die dem Menschen widerfahren kann.“ (Roland Baader)

06.Januar 2012

Alles, was in großer Zahl auftritt, ist nicht von oben; meint es, irgendeinen Ruf vernommen zu haben, so kann man sicher sein, daß der Ruf von unten kam. Sören Kirkegaard

22.Dezember 2011

Nun stehen wir wieder kurz vor der Weihnachtszeit. Wieder eine gute Gelegenheit sich mit dem Christentum zu beschäftigen. Ich fühle mich augenblicklich an Davilá erinnert: „Die Begegnung mit dem Christentum läßt sich nur vermeiden, solange man an der Oberfläche der Probleme bleibt.“

31.Oktober 2011

Gedanken zum heutigen Reformationstag:

„De facto gibt es heute eine Ökomene der liberalen Katholiken und Protestanten einerseits und der bibeltreuen Katholiken und Protestanten andererseits. Die Trennlinie verläuft schon lange nicht mehr wirklich zwischen nominellen Konfessionen. In Deutschland sind die Bibeltreuen bekanntlich schon lange in der Minderheit.“ (Prof. Dr. Klaus Berger)

28. Oktober 2011

Viele Menschen ereifern sich heute über die Dummheit der Politik, der Wirtschaft und dem allgemeinen Mainstream. Ich halte aber gerade diese Menschen für noch dümmer, weil sie sich, wenn es darauf ankommt, um den Applaus dieser Dummköpfe bemühen.

27. Oktober 2011

Richtig heiß her, ging es heute im Bundestag während der Aktuellen Stunde, die sich auf Antrag der Fraktionen der CDU/CSU und der FDP mit dem neuen Parteiprogramm der LINKEN auseinandersetzte. Wer die Systemfrage mit einem demokratischen Sozialismus beantworten möchte, darf sich über den Widerspruch der anderen Parteien nicht wundern.

Die Redebeiträge der Abgeordneten in der Debatte waren sicherlich sehr unterschiedlich und nicht immer besonders wertvoll. So finde ich es persönlich immer problematisch, wenn man die heutige Gesellschaftsordnung alleine mit der materiellen Überlegenheit der freien Marktwirtschaft begründen kann.

Viel entlarvender waren aber die Reaktionen der LINKEN. Sie verwandelten den Bundestag kurzerhand in ein Bierzelt. So störten Sie durch massives Gebrüll die Ausführungen der anderen Abegeordneten und machten damit deutlich, wie schlecht es bei ihnen um das Demokratieverständnis bestellt ist. Wer am lautesten brüllt, hat nicht automatisch recht.

———

Wenn sich Menschen eine ganze Nacht zusammensetzen, um eine Einigung über schwerwiegende Probleme herbeizuführen, dann sind die Erwartungen immer sehr groß. Als dann Merkel, Sarkzozy und die anderen Politiker um 04:00 Uhr in der Frühe vor die Kameras traten, waren die Worte dementsprechend markig. „Die Welt hat heute auf uns geschaut“, so Merkel und Sarkozy sekundiert tapfer „wir haben gezeigt, dass wir die richtigen Schlüsse gezogen haben“. Angesichts der Tasache, dass man den Eindruck gewinnen kann, dass eigentlich im Moment niemand wirklich weiss, was die richtigen Schritte in der Krise sind, waren diese Worte dann doch recht überzogen.

Wenn man sich anschaut, was hier wirklich passiert ist, dann kann man garnicht so viel Spektakuläres entdecken: Ein Schuldenschnitt in Absprache mit den Banken. Die Probleme – so bin ich überzeugt – sind damit nicht gelöst. Griechenland ist nämlich nicht Opfer eines wie auch immer gearten ausufernden Kapitalismus, sondern Opfer seiner eigenen Trägheit und Ineffizenz geworden. Ob man dieses Hauptproblem mit dem Schuldenschnitt gelöst hat, darf daher bezweifelt werden.

Written by Redaktion

27. Oktober 2011 um 10:30 am

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