STEFAN ROCHOW

Journalist & Autor

Meine Autobiografie ist im Handel erhältlich

with 2 comments

Buchumschlag„Man muss seine Wege gehen, aber auch den Mut haben, die Richtung zu ändern!“ Dieses Zitat eines unbekannten Verfassers könnte als Leitmotiv über diesem Buch stehen. Meine eigenen Wege gehen, nicht mit den Wölfen heulen – das möchte ich bis heute.

Das ist nicht immer ungefährlich: Viele Jahre habe ich zwar nicht mit den Wölfen geheult, die Melodien meiner Töne waren aber trotzdem unmelodisch und zu einem großen Teil gefährlich. Darum dieses Buch. Es ist ein Buch über meinen Weg hin zu meiner rechtsextremistischen Gesinnung, meinen Aufstieg innerhalb dieses Spektrums und das plötzliche Auftauchen der Frage: Was mache ich hier eigentlich?

Es ist ein sehr persönliches Buch, das an vielen Stellen daher nur eine subjektive Sichtweise wiedergeben kann. Es ist ein Buch, das nur dann einen Sinn ergibt, wenn es mit einem Bekenntnis verbunden ist: Es ist mein Bekenntnis zum katholischen Glauben!

Dieser Glaube ist es gewesen, der mich dazu gebracht hat, über mein bisheriges Leben nachzudenken und meine Gesinnung gründlich in Frage zu stellen. Wenn ein Glaube so radikal zur Umkehr bewegen kann – dann ist er es wert, darüber zu berichten.

Ich bin mir aber auch bewusst, dass dieses Bekenntnis eine Provokation und Gefahr in sich birgt. Über Glauben spricht man nicht, so die Meinung vieler Zeitgenossen. Darüber hinaus, da mache ich mir keine Illusionen, macht mich mein Bekenntnis zum katholischen Glauben angreifbar. Über seinen Glauben reden zu wollen – wenn er dann auch noch katholisch ist – das bedeutet heute oftmals, ständig den öffentlichen Sperrfeuern der sonst sehr toleranten Gesellschaft ausweichen zu müssen. Dabei ist es keine Kleinigkeit, wenn es uns heute immer schwerer fällt über Gott zu sprechen und noch schwerer an ihn zu glauben. In einem Brief soll der russische Schriftsteller Fjodor Dostojewski einmal geäußert haben: „Wenn es keinen Gott gibt, dann ist alles erlaubt“. Wie menschenverachtend gottlose Gesellschaftsmodelle sein können, davon können wir Deutsche ein Lied singen. Ob Nazidiktatur oder sozialistische Diktatur – beide Ideologien haben unter Beweis gestellt, zu was der Mensch in der Lage ist, wenn er nur losgelassen wird.

Und auch heute merken wir wieder, dass die Einschläge täglich näher kommen: Finanzkrise, Umweltkatastrophen, Kampf um die knapper werdenden Ressourcen in der Welt, Verteilungskämpfe zwischen arm und reich. Ich bin mir sicher, dass es eine Zeit geben wird, in der wir alle wieder lernen zu beten. Ich habe durch meinen Glauben die Richtung in meinem Leben geändert. Meinem Buch würde daher die entscheidende Note fehlen, würde ich hier nicht vom Glauben sprechen wollen. Voltaire, der bedeutende französische Aufklärer, sicherlich nicht im Ruf stehend, ein fanatischer Verteidiger der Katholischen Kirche zu sein, sagte einmal sinngemäß: Wenn die Kirche im Lauf der Jahrhunderte trotz des Verhaltens ihrer Kleriker nicht zusammengebrochen ist, dann müsse sie etwas Göttliches haben. Ich würde Voltaire in vielen seiner Ansichten widersprechen, hier nicht.

Vielleicht liegt gerade hier das Ungewöhnliche an diesem Buch? Es ist keine Abrechnung, kein Rückblick im Zorn und kein Versuch, mich im Nachhinein zu rehabilitieren. Ich war in meinen Funktionen und in meinen Tätigkeiten zu keinem Zeitpunkt Opfer. Nein, ich war Täter! Ich war von dem, was ich machte überzeugt und wollte andere Menschen davon überzeugen. Ich war Nationalist. Der Nationalismus war für mich die politische Antwort auf alle Fragen der Zeit. Ich paarte meine Gedanken mit rassistischem Gedankengut und braute an vorderster Linie an einer politischen Brühe mit, die gefährlich und ungenießbar ist, wenn sie es einmal schaffen sollte, den Geist der Menschen zu verwirren. Das ist meine Verantwortung, dieser Verantwortung weiche ich nicht aus. Ich stelle mich ihr mit diesem Buch.

Eines soll dieses Buch aber nicht sein: Sensationshascherei! Ich möchte nicht mit den Wölfen heulen. Daher werde ich mit meinem Buch nicht zur Befriedigung eines politischen Voyeurismus beitragen. Dieses Buch ist von einem Menschen geschrieben, der in einem langen persönlichen und manchmal auch schmerzhaften Findungsprozess für sich selbst erkennen musste, dass die NPD eine im Kern totalitäre Partei ist. In einer Gesellschaft wie sie die NPD anstrebt, haben Eigenvorstellungen, Gewissensfreiheit, Aufbau eines Privatlebens nach eigenen Maßstäben, Erziehung der Kinder in Sinne selbstständig erworbener Erkenntnis, Gestaltung der Freizeit nach eigenen Vorstellungen, ja selbst Dinge wie die freie Wahl unseres Urlaubsortes, keinen Platz. Das macht die NPD gefährlich, unabhängig wie stark sie sich – das ist regional völlig unterschiedlich – an nationalsozialistischem Gedankengut anlehnt.

Dieses Buch beleuchtet aber auch den Umgang mit Menschen, die früher oder später erkennen, dass sie sich auf ihrem Lebensweg geirrt haben. Mahatma Gandhi sagt zur Vergebung: „Der Schwache kann nicht verzeihen. Verzeihen ist eine Eigenschaft des Starken.“ An dieses Zitat musste ich in den letzten Jahren oft denken. Auf welch schwache Fundamente baut eine Gesellschaft auf, wenn sie nicht in der Lage ist, Menschen ihre Verirrungen zu verzeihen und somit einen Neuanfang zu eröffnen?

Ich habe in den letzten Jahren nach meinem Bruch mit der NPD sehr viel Ausgrenzung, Misstrauen, Angst und ein fast grotesk wirkendes Hyperventilieren seitens der Gesellschaft erfahren. Mir begegneten wenige Menschen, die wirklich bereit waren, mir eine Chance zu geben. Die soziale Isolation und die mangelnde Bereitschaft der Gesellschaft, Menschen wie mir einen Neuanfang zu ermöglichen, sind meine bedrückensten Erlebnisse. Daher können sie hier nicht ausgespart werden.

Neulich sagte mir ein Herr, dass ich aufgrund meiner Vergangenheit, mindestens für die nächsten 10 Jahre keine Aufgaben mehr für die Gesellschaft übernehmen könne – ich sei ja schließlich völlig verbrannt. Solche Äußerungen – das gebe ich offen zu – machen mich sprachlos.

Ich bereue meinen Neuanfang nicht, auch wenn ich am Anfang vielleicht doch etwas mehr Illusionen gehabt habe. Neulich las ich: „Ein Neubeginn kann eine große Herausforderung sein, diese zu bestehen, kann sich für das gesamte weitere Leben lohnen!“

Aus dem Vorwort des Verfassers

Die Autobiografie ist im April erschienen und ab sofort im Buchhandel oder über Amazon etc. zu beziehen.

Stefan Rochow: »Gesucht – Geirrt – Gefunden: Ein NPD-Funktionär findet zu Christus« Gerhard-Hess Verlag, Bad Schussenried, 2013, 248 Seiten, brosch., ISBN-13: 978-3873364318, Preis: 18,90 EURO

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Written by Redaktion

5. April 2013 um 12:59 pm

Veröffentlicht in Persönliches

2 Antworten

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  1. Das Buch ist bei mir vorgemerkt und wird hoffentlich bald mein sein.
    Ich bin, ohne Dich zu kennen, einfach froh, daß Du den Sprung geschafft hast. Zehnjähriges Nichtstun wäre gewiß die falsche Konsequenz gewesen.

    Claudia Sperlich

    11. April 2013 at 1:23 pm

  2. […] Fundament ansieht. Nach Jan Zobel, Stefan Jahnel, Stefan Michael Bar und Nick Greger hat nun auch Stefan Rochow ein Buch darüber […]


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