STEFAN ROCHOW

Journalist & Autor

Ökonomen sind die schlechtesten Familienpolitiker

with one comment

Wir haben uns schon zu sehr daran gewöhnt, dass alles in unserem Land durch die Brille der Wirtschaftlichkeit betrachtet wird. Nun haben sich »Experten« im Auftrag von Familienministerin Schröder auch an die Beurteilung der Familienpolitik gemacht. Das Ergebnis erscheint auf den ersten Blick niederschmetternd: Die Sachverständigen kommen in einem Gutachten um Ergebnis, dass die Familienpolitik in unserem Land unwirksam ist.

SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück, dessen Partei seit Jahren für einen stärkeren Einfluss des Staates in Fragen der Kindererziehung kämpft, reagierte prompt: Er möchte möglichst viel Geld in die Infrastruktur stecken.

Dass die Familienpolitik in unserem Land versagt hat, das kann jeder angesichts der Geburtenrate in unserem Land sehen. Dazu braucht es keine wissenschaftlichen Gutachten. Dieser Zustand liegt aber wohl am allerwenigsten an den staatlichen Unterstützungsleistungen.

Das Gutachten offenbart aber auch einen anderen fatalen Schluss: Dienstleistungen der Familien werden unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten als wertlos betrachtet, da die Erziehung der Kinder von den Volkswirten in diesem Gutachten als Nichttätigkeit betrachtet wird.

Alleine an dieser Tatsache erschließt sich die Fragwürdigkeit dieser ganzen Studie: Wirtschaftswissenschaftler sollen darüber entscheiden, ob die Instrumente der Familienpolitik sinnvoll sind oder nicht. Familienpolitik wird in den ökonomischen Bereich hineingepresst und zwischen Zahlen, Rentabilität und Erfolgsformeln zerrieben. Geht´s eigentlich noch, möchte man verwundert fragen?

Man kann doch nicht allen Ernstes den Erfolg von Familienpolitik rein wirtschaftlich betrachten. Wo die Familienpolitik nur noch unter den Aspekten der Unterordnung unter Produktivität und Erwerbsfähigkeit betrachtet werden, dort ignoriert man die wesentlichen Dinge einer erfolgreichen Familienpolitik. Eltern muss der notwendige Raum dafür gegeben werden, sich um ihre Kinder kümmer zu können. Das fährt, darüber bin ich mir bewusst, natürlich jenen Ideologen in die Parade, die unsere Kinder am liebsten schon im Kreißsaal in Empfang nehmen möchten, um sie dann in staatliche Obhut zu nehmen. Liebe, Geborgenheit, Werte, Verantwortungsübernahmen, Bindung und Bildung – alles dass, so die Parole des Zeitgeistes, können Eltern ihren Kindern nicht mehr bieten. Daher sei Vater Staat gefordert.

Unter solchen Gesichtspunkten ist es dann auch nur nachvollziehbar, dass der Erziehung der Kinder durch die Eltern keine volkswirtschaftliche Bedeutung beigemessen wird. Solche Studien wie die nun erstellte, machen hier Stimmung in die gewünschte Richtung.

Ökonomen eine Studie über die Sinnhaftigkeit der Familienpolitik machen zu lassen, ist genauso grotesk als wenn man die Raucherlobby damit beauftragen würde, ein Gutachten zum Nichtraucherschutz zu erstellen. Dümmer geht es eigentlich nicht.

»Da kommen dann solche Paradoxien zustande, dass eine Mutter, wenn sie zuhause ihre Kinder erzieht, als wertlos gilt – wenn sie sich aber prostituierte, wäre sie auf einmal volkswirtschaftlich wertvoll.«, sagt der Vorsitzende des Familienbundes der Katholiken in Bayern, Johannes Schroeter zur Studie im Hinblick auf die ökonomische Betrachtung der Familienpolitik. Hinzuzusetzen gibt es hier nichts mehr.

Stefan Rochow twittert auf twitter.com/Stefan Rochow

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Written by Redaktion

13. Februar 2013 um 8:04 pm

Veröffentlicht in Gesellschaft und Politik

Eine Antwort

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  1. zusammen mit dem gesamten römisch-katholischen Klerus.

    Besucher

    13. Februar 2013 at 9:33 pm


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