STEFAN ROCHOW

Journalist & Autor

Unerwünschte Kaffeetassen

leave a comment »

Copyright: R_K_by_Betty_pixelio.de

Copyright: R_K_by_Betty_pixelio.de

Manche Zusammenkunft in einer Sitzungspause kann plötzlich zu ungeahnten Zoff führen. Gerade erlebt das die Kleinstadt Anklam in Mecklenburg-Vorpommern. Am Rande einer Stadtvertretersitzung hatten sich zwei NPD-Stadtverordnete an  einen Tisch zusammen mit der CDU gesetzt. Für den Anklamer Bürgermeister Gallander, ausdrücklich nicht Mitglied der CDU, war diese Runde so interessant, dass er davon einen Schnappschuss für das Fotoalbum daheim haben wollte. Auf völlig unerklärliche Weise ist dieser Schnappschuss nun aus dem heimischen Album an die Presse geraten und ab ging die wilde Fahrt gestern.

Zuerst berichtete das Provinzblättchen „Nordkurier“ über die Kaffeerunde, von der Bürgermeister Gallander zu wissen meint, dass dort nicht über Gartenarbeit gesprochen wird. Wer aus diesem Kreis einen Garten hat – darüber schweigt sich Gallander aus und ich kann hier leider auch nicht zur Erhellung dieses Themas beitragen. Trotzdem wage ich an dieser Stelle einmal die Behauptung, dass auch Plätzchen- und Kuchenrezepte nicht weitergereicht wurden. Wäre das der Fall gewesen, hätte der fotofreudige Bürgermeister sicherlich dazu etwas gesagt.

Der Bürgermeister weiß nichts und auch die neugierigen Pressevertreter wissen nichts. Trotzdem sorgte die Kaffeerunde für Gesprächsstoff.  Die CDU steht nun am Medienpranger, weil ihre Vertreter nicht gleich aufgesprungen sind, als die NPD-Stadtvertreter sich mit ihren Kaffeetassen dem Tisch der CDU nährten. Mag man sich noch so verwundert die Augen reiben: Offenbar wäre die kopflose Flucht vom Tisch durch die CDU-Vertreter jene zivilgesellschaftliche Großtat gewesen, die alle erwarteten.

Professor Tannenberger vom Anklamer Institut für Friedensarbeit, sagt sofort, worauf bei einer Kaffeepause unbedingt  zu achten ist: “ Er könnte sich ein Gespräch mit NPD-Mann Michael Andrjeweski schon vorstellen – aber nur, wenn der sich „klar und unmissverständlich von Hitler und seiner Gefolgschaft“ lossagt. Doch so lange Andrejewski und seine Partei das nicht hinbekämen, gehörten sie verboten.“  Im Klartext also: Man hätte schon von den CDU-Vertretern erwarten können, dass sie von den NPD-Vertretern die Distanzierung von Hitler und seiner Gefolgschaft einfordern, bevor sie ihren Kaffeepott auf den CDU-Tisch stellen dürfen. Ordnung muss schließlich sein.

Skeptischer sieht Anett Freier vom Anklamer Demokratieladen die Kaffeerunde: „Die Frage ist doch, was man damit erreichen will. Leute, die sich in einem Stadium wie Michael Andrejewski befinden, leben in einem geschlossenen Weltbild und sind für Argumente von außerhalb nicht empfänglich.“  Für Frau Freier hat der NPD-Kaffeepott also generell keinen Platz auf dem CDU-Tisch.

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Bedenklich ist in diesem Zusammenhang nur, das dieser Dritte die NPD ist.

Stefan Rochow twittert auf twitter.com/Stefan Rochow

Advertisements

Written by Redaktion

20. Dezember 2012 um 8:57 pm

Veröffentlicht in Gesellschaft und Politik

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: