STEFAN ROCHOW

Journalist & Autor

Neues Papst-Buch: „Woher bist Du?“

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Mit der Vorlage seines neuesten Jesus-Bandes hat Papst Benedikt seine Triologie abgeschlossen. Es soll kein dritter Band im klassischen Sinne sein. Vielmehr versteht Benedikt XVI. sein jetzt vorgelegtes Buch als eine „Art kleiner Eingangshalle zu den beiden Bänden über die Gestalt und Botschaft Jesu von Nazareth“. Nach der Betrachtung des Leben und Wirkens von Jesus im ersten Band und der Betrachtung seines Sterbens und der Auferstehung im zweiten Band nun die Kindheitsgeschichte.

Wie schon die beiden anderen Bücher, ist auch das letzte Buch eine gut gelungene Symbiose zwischen wissenschaftlichen Anspruch und geistlicher Einsicht. Der Schreibstil und die Form mit der sich der Ratzinger-Papst dem auf den ersten Blick recht komplex wirkenden Stoff nährt, macht das Buch auch für Nichttheologen lesbar.  Daher wird auch die Betrachtung der  Kindheitsgeschichte Jesu, über die wissenschaftlichen Kreise hinaus Beachtung finden.

„Woher bist Du?“ – diese Frage des Pilatus in der Passionsgeschichte an Jesus gerichtet, stellt der Papst als Schlüsselfrage an den Anfang seines Buches? Nach wie vor, ist gerade diese Frage das große Geheimnis des Wirkens Jesu. Diese Frage stellt sich uns, obwohl uns die Bibel an vielen Stellen Auskunft darüber gibt, wer Jesus ist und woher er kommt. Wir erfahren etwas über den Stammbaum Jesu und doch bleiben Fragen offen: Wie ist Jesus Mensch geworden? Ist er durch menschliche Zeugung entstanden oder ist es so gewesen, wie wir es im Credo als unseren Glauben bekennen: „empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria,…“?

Diese Frage nimmt in den 135 Seiten des Buches dann auch den Hauptteil ein. Benedikt XVI. beleuchtet die verschiedensten theologischen Erklärungsmuster und verwirft sie teilweise wieder. Er sieht die tatsächliche Wirklichkeit der Aussage im Credo in den „Familientraditionen“, die sich im Umfeld Marias trotz größter Diskretion erhalten haben. Diese wurden erst nach der Auferstehung Jesu auch öffentlich weitererzählt und fanden Eingang in die Evangelien. Erst jetzt konnte die völlige Bedeutung dieses Umstandes erkannt werden. Jetzt erst wird deutlich, dass Gott selbst in Jesus zu den Menschen gekommen ist.

„Es ist also wahr, was wir im Credo sagen: „Ich glaube… an Jesus Christus, Gottes eingeborener Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria“, so beantwortet Benedikt XVI. diese Frage eindeutig mir Ja.

Benedikt weiter: „Diese beiden Punkte sind ein Skandal für den modernen Geist. Gott darf in Ideen und Gedanken wirken, im Geistigen – aber nicht in der Materie. Das stört“.

Eine weitere Stärke des Buches ist ohne Zweifel, dass Benedikt deutlich aufzeigt in welchem Zusammenhang die Kindheitsgeschichte Jesu zu den Weissagungen des Alten Testaments steht. Er schlägt damit eindeutig einen Bogen vom Alten zum Neuen Testament.

„In der Armseligkeit der Geburt Jesu zeichnet sich das Große ab, in dem sich geheimnisvoll die Rettung der Menschheit vollzieht.“, so der Papst.

Für Nichttheologen ist es nicht immer einfach, den theologischen Ausführungen zu folgen. Es erfordert ein hohes Maß an Konzentration. Das Buch ist daher keine seichte Bettlektüre. Wer sich aber auf das Angebot Benedikts einlässt, sich mit den Ereignissen um die Geburt und Kindheit Jesus zu beschäftigen, dem eröffnet sich die Chance sich auf den Weg zusammen mit und auf Jesus zuzubewegen. Es ist ein Weg, der sich in jedem Fall lohnt zu gehen.

Papst Benedikt XVI. hat mit seiner Jesus-Triologie ein Werk geschaffen, das als bleibend bezeichnet werden kann.

Hinweis: Joseph Ratzinger / Benedikt XVI., Jesus von Nazareth:
Prolog – Die Kindheitsgeschichten, 171 Seiten, Freiburg, Verlag Herder 2012, 20 Euro.

Stefan Rochow twittert auf twitter.com/Stefan Rochow

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Written by Redaktion

25. November 2012 um 10:48 pm

Veröffentlicht in Buchbesprechung

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