STEFAN ROCHOW

Journalist & Autor

Vor 100 Jahren wurde Otto von Habsburg geboren

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Heute wäre Otto von Habsburg 100 Jahre alt geworden. Der im vergangenen Jahr gestorbene große Christ und Europäer, hat durch sein Wirken viele Furchen in das Zusammenleben der Völker geschlagen.

Am 20. November 1912 in Reichenau/Niederösterreich geboren, wurde er ursprünglich als Monarch erzogen. Doch es kam anders: 1918 brach die Habsburger-Monarchie zusammen und der österreichische Kronprinz musste zusammen mit seiner Familie ins Exil in die Schweiz, später nach Madeira, gehen. Im Jahre 1922 verstarb sein Vater Karl I. von Österreich, der im Jahre 2004 von Papst Johannen Paul II. seliggesprochen wurde.Otto von Habsburg verlebte seine Jugend in Spanien und Belgien. Im Jahre 1933 promovierte er dann an der Universität in Löwen. Mit dem Heraufziehen des Nationalsozialismus in Deutschland, bezog der Erzgroßherzog von Anfang an klare Position gegen Hitler und seine Anhänger. Als er als Chef des Hauses Habsburg 1933 von Hitler zu einem Gespräch eingeladen wurde, lehnte er ab. Er wollte sich von der NSDAP nicht vor ihren Karren spannen lassen, da diese Zielsetzungen zutiefst seinem katholisch geprägten Menschenbild widersprachen. „Als ich dieses fürchterliche Buch ‘Mein Kampf’ gelesen hatte, wusste ich genug”, so Otto von Habsburg einmal in einer vertrauten Gesprächsrunde. Von den Nazis wurde der Kaisersohn dann auch steckbrieflich gesucht.

Freimütig bekannte Habsburg: „Vor Gott zählt nicht, ob wir Erfolg gehabt haben. Vor ihm zählt, ob wir uns mit all unseren Kräften für das Gute eingesetzt haben.“ So war der Einsatz für seine Mitmenschen entsprechend aristokratischer Tradition für den Adelsspross immer eine Selbstverständlichkeit gewesen. Von Habsburg konnte damals zum Beispiel etwa 15.000 Juden und politisch bzw. rassisch Verfolgte vor dem Tode retten. Dafür scheute er sich nicht auch den spanischen Diktator Francisco Franco einzuspannen. Wenn es einem guten Anliegen diente, dann konnte er auch unkonventionelle Mittel wählen – eine Eigenschaft die man heute bei vielen Politikern schmerzlich vermisst.

Ein großer Europäer

 1936 schloss sich Habsburg  der Paneuropa-Union des Richard Graf Coudenhove-Kalergi an. Damit war sein Weg vorgezeichnet: Europa und der Einsatz für die Einigung des Kontinents war nun das Herzensanliegen des verhinderten Monarchen. Nie bereute er es, dass er anstatt Kaiser zu werden, nun Politiker wurde. Er bekannte, dass er froh sei einen „Esel auch als Esel“ bezeichnen zu dürfen. Als Kaiser müsse er solche Menschen als Exzellenz ansprechen.

1979 zog Otto von Habsburg zuerst parteilos dann als Mitglied der CSU in Europäische Parlament ein. Hier waren es vor allem die Außenbeziehungen, um die er sich als Abgeordneter besonders kümmerte. So war er engagiertes Mitglied im Außenpolitischen Ausschuss des Parlaments.

In die Geschichtsbücher hat es der überzeugte Paneuropäer als Schirmherr des Paneuropäischen Picknicks an der österreichisch-ungarischen Grenze im Jahre 1989 geschafft. Im Zuge dieser Veranstaltung gelang 600 DDR-Bürgern die Flucht in die Freiheit. Wieder hatte Otto von Habsburg ein deutliches Zeichen gegen Unfreiheit und Totalitarismus gesetzt.

Ein Mann dem Intoleranz zuwider war

Doch auch nach 1989 setzte der nun greise ehemalige Kronprinz Österreichs immer wieder Zeichen gegen Unfreiheit, Bevormundung und versuchte Unterdrückung. Freie Rede, Diskussion und Gedankenaustausch waren für ihn Grundelemente der Demokratie. Mit der Unterdrückung unliebsamer Meinungen fing für ihn stets der Niedergang und Verlust von Freiheit an. So gehörte er auch im Jahre 2009 zu den Erstunterzeichnern der Erklärung „Für Freiheit und Selbstbestimmung” anlässlich der Kontroverse um den Marburger Kongress für “Psychotherapie und Seelsorge”, wo die Veranstalter unter Druck gesetzt wurden, zwei Referenten am Reden zu hindern, da sie kontroverse Thesen zur Homosexualität vertraten.

“Wer das offene Gespräch und die Diskussion nicht ertragen will, gerät in den Verdacht, seinen Willen anderen auferlegen und andere unterdrücken zu wollen. Die Unterdrückung des freien Wortes und der Zwang, die Meinung anderer vertreten zu müssen, sind stets Kennzeichen totalitärer Systeme, die Menschenrechte verletzen und den Frieden zwischen den Menschen und Völkern gefährden. Gott hat den Menschen als ein freies Wesen nach seinem Ebenbild geschaffen. Und diese Freiheit muss der Mensch dem Menschen lassen. Das ist Teil seiner Würde und verlangt zugleich, den Andersdenkenden und den Andersfühlenden in seiner Persönlichkeit zu achten, was auch Ausdruck christlicher Nächstenliebe ist “, stellte Otto von Habsburg damals treffend fest.

Der ehemalige Staatspräsident Frankreichs, Valery Giscard d’Estaing, nannte Otto von Habsburg einmal ein anerkanntes Symbol der Toleranz, der Offenheit und der Überzeugung. Hier könnte der nun verstorbene Europapolitiker vielen heutigen Politikern als Beispiel dienen.

Einmal gefragt, woher er die Entschlossenheit nehme, sich auch im fortgeschrittenen Lebensalter einem unduldsamen Zeitgeist entgegenzustellen, antwortete Habsburg: “Für mich ist dies eine Frage des Prinzips und des Mutes, sich zu Werten zu bekennen und für sie einzutreten. Es fehlt zu oft am Mut zum Bekenntnis. Wenn man den Mut aufbringt, sich einem Despoten wie Hitler entgegenzustellen, braucht man keinen Mut, um sich auch heute dem Zeitgeist zu widersetzen.”

 

Stefan Rochow twittert auf twitter.com/Stefan Rochow

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Written by Redaktion

20. November 2012 um 7:05 am

Veröffentlicht in Gesellschaft und Politik

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