STEFAN ROCHOW

Journalist & Autor

Verbote als Vorboten?

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In Deutschland müssen wir uns wieder Sorgen um die Freiheit machen! Nachdem es noch nicht einmal 23 Jahre her ist, dass das letzte totalitäre Regime auf deutschem Boden zusammengebrochen ist, dürfte uns diese Feststellung nicht kalt lassen. Sie tut es – genau das ist das Bedenkliche und spricht Bände über den Zustand in unserem Land.

Immer dann, wenn die Deutschen sich an die Verwirklichung der „idealen Gesellschaft“ machten, nahmen diese Versuche ein böses Ende. Zurückgeblieben sind Friedhöfe, die bis heute vom Größenwahn unter den verschiedenen ideologischen und utopischen Vorzeichen zeugen. Internierungslager, psychischer und physischer Terror gegen Menschen, weil sie – wie auch immer – anders waren oder etwas sagten, was nicht den Gedanken der sich als Mehrheit wähnenden entsprach, bis hin zur gänzlichen Vernichtung von Menschen – unsere Geschichte mahnt deutlich. Eher wir uns versehen, kann aus Träumen ein Alpraum werden. Es gibt viele gute Gründe vorsichtig und wachsam zu sein.

Nun veröffentlichte das John Stuart Mill Institut ihren sogenannten „Freiheitsindex Deutschland 2011“, der mich aufhorchen lässt. Er beschäftigt sich mit den Fragen: „Wie definieren die Bürger für sich die Freiheit? Ist ihnen Selbstbestimmung wichtiger als soziale Gleichheit oder überwiegt das Sicherheitsbedürfnis? Was erwarten sie vom Staat? Soll er sich heraushalten aus ihrem Alltagsleben oder sich stärker kümmern? Soll er neue Verbote einführen oder alte lockern?“

Der Wert der Freiheit in Deutschland, tritt immer weiter hinter anderen Werten wie Sicherheit und Gleichheit zurück. Einher geht diese zunehmende Geringschätzung unserer Freiheit mit einem immer lauter werdenden Ruf nach staatlichen Verboten. Viele Deutsche wünschen sich wieder einen „betreuenden“ und „kümmernden“ Staat und sind dafür bereit, mehr Kontrolle und Verbote in zahlreichen Lebensbereichen zu akzeptieren. Ein nicht unerheblicher Teil der Bürger geht noch einen Schritt weiter und  fordert diese Verbote sogar ein. So sollen beispielsweise Aussagen wie „Atomkraft ist eine gute Sache“, „Frauen gehören an den Herd“, „Man soll die Mauer wieder aufbauen“ und „Homosexualität ist eine Krankheit“ zukünftig verboten werden.

Keiner muss sich hinter diese Aussagen stellen oder sich diese zu Eigen machen. Sehr wohl müssen wir uns aber die Frage stellen, wohin der Weg führt, wenn diese Verbotsforderungen umgesetzt werden? In so einem Staat, möchte ich nicht leben.  Daher mache ich mir Gedanken darüber, wenn ein nicht unerheblicher Teil der Bundesbürger so einen Staat, zumindest akzeptieren, würden. Schon im 19. Jahrhundert stellte Heinrich Heine fest: „Der Engländer liebt die Freiheit wie sein rechtmäßiges Weib. Er besitzt sie, und wenn er sie auch nicht mit absonderlicher Zärtlichkeit behandelt, so weiß er sie doch im Notfall wie ein Mann zu verteidigen. Der Franzose liebt die Freiheit wie seine erwählte Braut. Er wirft sich zu ihren Füßen mit den überspanntesten Beteuerungen. Er schlägt sich für sie auf Tod und Leben. Er begeht für sie tausenderlei Torheiten. Der Deutsche liebt die Freiheit wie seine Großmutter.“ Geändert hat sich bis heute offensichtlich nichts. Die Sirenengesänge von Ideologien und Utopien, sind immer wieder stärker als die Liebe zur Freiheit.

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Written by Redaktion

26. Juni 2012 um 10:16 am

Veröffentlicht in Gesellschaft und Politik

Eine Antwort

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  1. Die Linkswichserei im Lande läßt sich zunehmend zwischen den Koordinaten Dummheit, Bosheit und Selbstreferenz verorten, Da muß einem nichts mehr wundern.

    Andreas

    26. Juni 2012 at 10:39 am


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