STEFAN ROCHOW

Journalist & Autor

Halbzeit

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Heute begeht die Katholische Kirche das Hochfest des Hl. Johannes des Täufers. Es sind nun noch insgesamt sechs Monate bis zum Heiligen Abend, dem Tag der Geburt Jesus Christus. Damit zeigt schon die Geburt des Täufers auf denjenigen, der nach ihm kommen wird. Sein gesamtes Leben ist auf Christus selbst ausgerichtet. „Seht das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünden der Welt.“ – so weist und Johannes selbst den Weg. Sein Leben ist ein Fingerzeig auf Christus.

Soweit die ansatzweise theologische Ausdeutung der Person des Hl. Johannes des Täufers. Uns kann er aber auch in anderer Hinsicht Vorbild sein: Der Täufer war kein Mitläufer in seiner Zeit! Für ihn hatten nicht diejenigen automatisch recht, die ausschließlich das wiederkäuen, was alle anderen sagten. Nie gibt er dem Meinungsdruck der Massen nach. Er bemüht sich darum, selbst zu Hören und zu Sehen. Er scheut sich nicht, gegen den „Mainstream“ – gegen die Masse – zu schwimmen. Er hat den Mut aus der Reihe zu tanzen. Er ist ein Feld in der Brandung: Stütze und Halt für diejenigen, die ihm folgten und ein Ärgernis für seine Feinde. Das kostete ihm in der letzten Konsequenz im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf.

Er hat ein gutes Gespür für das Wahre, Echte, für die Lebensimpulse im Leben, Verkrustetes zu hinterfragen. Menschlichen Einflüssen nachzugeben – das war definitiv nicht sein Weg. Er scheute sich nicht vor der Einsamkeit und der Stille. Um innere Kraft sammeln zu können, zog er sich in die Wüste zurück. In dieser lebensfeindlichen Atmosphäre gelang es ihm, sich auf das Wesendliche zu konzentrieren. Johannes der Täufer war ein Rebell in seiner Zeit, ohne sich von seiner Zeit vom Wesendlichen ablenken zu lassen. Er hat Zeugnis dafür gegeben, dass Weniger manchmal mehr ist, wenn man sich auf Gott verlässt.

Er erlebte aber auch Anfechtungen. Aus dem Gefängnis lässt er Jesus fragen: Bist du es, der da kommen wird, oder sollen wir auf einen anderen warten? Ganz sicher war er sich nie – genauso wenig wie auch wir heute mit letzter Sicherheit wissen können. Wo Beweise fehlen, da bleibt auch uns oft nur der Glaube! Trotzdem haben wir alle die Gewissheit, dass Gott seine Hand nie von uns wegziehen wird.

Das mag auf den ersten Blick pathetisch und ein wenig abgedroschen klingen. Vielleicht liegt das aber vielmehr daran, dass wir heute alle viel zu selten in die Verlegenheit kommen, unseren inneren Kompass auf wesendliche Dinge auszurichten. Viel zu sehr lässt sich unsere Zeit auf „Nebenkriegsschauplätze“ abdrängen und verstellt sich damit die Sicht für das Entscheidende. Wenn man einmal die Wüste aufgesucht hat, sein Leben auf den Prüfstand stellen konnte und vielleicht einmal einen Neustart wagen musste – dann entwickelt man eine kritische Sensibilität gegenüber dem Zeitgeist. Grenzerfahrungen lehren aber auch, dass es notwendig ist, sich selbst zurückzunehmen. Demut ist spätestens dann kein Zeichen von Schwäche oder eine Tugend der Dummköpfe mehr.

Ein mutiges Wort zu richtiger Zeit! Widerspruch zu erheben, wo es einem notwendig erscheint – der Hl. Johannes der Täufer kann uns allen hier als Vorbild dienen. „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen!“ – diesem Ausspruch des Täufers, kommt heute wieder eine besondere Bedeutung zu.

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Written by Redaktion

24. Juni 2012 um 8:14 pm

Veröffentlicht in Religion

Eine Antwort

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  1. Wie wohl der Kerker, in den man Johannes geworfen hatte, heute aussehen, auf welche Melodie Salome in unseren Tagen tanzen würde?

    Andreas

    24. Juni 2012 at 10:35 pm


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