STEFAN ROCHOW

Journalist & Autor

Danke Heiliger Vater, Sie haben mein Leben kräftig durcheinandergewirbelt

with 4 comments

Er ist der Fels in der Brandung, für manche ein antimodernes Fossil. Geliebt, verspottet, bewundert und gehasst – heute begeht Papst Benedikt XVI. seinen 85. Geburtstag. Damit gehört der Ratzinger-Papst zu einen der ältesten Päpste in der Nachfolge des Hl. Petrus. Für mich ist es ein guter Grund, ihm auf diesem Wege einen Geburtstagsgruß zukommen zu lassen.

Heiliger Vater, im April 2005 traten Sie in mein Leben. Ich habe mich in meinem Leben nie für den Katholizismus interessiert. Ich bin zwar evangelisch aufgewachsen. In den letzten Jahren, hatte ich mich vom Glauben an Jesus Christus immer weiter entfernt. Ich bin ein überzeugter Nationalist geworden. Volk, Rasse und Vaterland heißen meine Götter, die mir Lebensmittelpunkt geworden sind. Das Christentum hat in meinem Denken keinen Platz. Für mich ist es Judentum für Nichtjuden – eine „artfremde“ Religion für Weicheier.

Trotzdem interessiere ich mich für die Papstwahl. Plötzlich erscheint ein kleiner Mann auf dem Balkon des Peterdoms. Schüchtern winkt er den Menschen zu. Alles strahlt Bescheidenheit, Demut und Zurückhaltung aus.  Irgendwie wirkten Sie damals, da oben auf dem Balkon, verloren. Ich hatte Ihren Namen immer mal wieder gehört – wirklich etwas anfangen mit Ihnen kann ich noch nicht. Ich spüre aber, dass da etwas in Ihnen ist, was mich neugierig macht.

Der „Panzerkardinal“ und „Gottes Rottweiler“ – so habe ich nach der Papstwahl gelegentlich über Sie in den Medien gelesen. Das interessiert mich. Was ist am Mythos Ratzinger wirklich dran?

Sie haben mich damals auf dem Balkon gepackt. Wenig später lese ich das Interviewbuch „Salz der Erde“, das Peter Seewald herausgegeben hat. Es ist mir durch Zufall in die Hände gekommen. Was ich damals noch nicht ahnte – mein Leben sollte in den kommenden Jahren völlig aufgemischt werden. Als ich das Buch zu lesen beginne, finde ich den Jubel „WIR SIND PAPST!“, der nun durch die Lande dröhnte, völlig überzogen. Die anderen können es gerne sein – ich bin ausdrücklich nicht Papst. Am Ende des Buches, haben Sie Heiliger Vater mich nachdenklich gemacht. Mit welcher Selbstverständlichkeit Sie über Jesus Christus sprachen, finde ich bewundernswert.  Sie erscheinen mir authentisch und keineswegs abgehoben. Vor allem formulieren Sie sehr verständlich. Ich ließ mich damals auf Sie ein.

Natürlich wollte ich Ihren Jesus nun auch mal erleben. Ich besuchte die erste Heilige Messe. Hier war etwas, was mir vorher verborgen geblieben ist. Ich kann Ihre Begeisterung verstehen. Ich bin nun ganz angesteckt. Ich lese auch immer mehr von Ihnen. Je mehr Ratzinger ich lese – umso mehr erschließt sich mir Jesus Christus. Alles ist nun aus den Fugen geraten. Ich stelle nun mein ganzes Leben in Frage. Es gibt Freiheit – die christlich Freiheit: eine Freiheit, die sich nicht dem Zeitgeist anpasst, die Nein sagt, die nicht darauf ausgerichtet ist, nur zu gefallen. Diese Freiheit habe ich bisher gesucht – mich aber vollkommen verirrt und nun durch Sie, Heiliger Vater, habe ich die Freiheit in Jesus Christus gefunden. Ich gebe mein bisheriges Leben auf. Ein Papst aus Deutschland, hatte einen deutschen Nationalisten zum Nachdenken gebracht und ihn zur Umkehr bewegt. Heiliger Vater, dafür danke ich Ihnen von Herzen.

DEUS CARITAS EST (Gott ist Liebe) lautete Ihre erste als Papst herausgegebene Enzyklika – passender kann es nicht getroffen werden. Im Jahr 2009 konvertiere ich zum katholischen Glauben.

Im letzten Jahr war es besonders bewegend für mich, mit Ihnen zusammen in  Berlin die Heilige Messen feiern zu können. Sie, der mein Leben durcheinandergewirbelt hat und dem ich dafür so unendlich dankbar bin.

In den letzten Jahren habe ich in der Katholischen Kirche immer wieder Menschen kennengelernt, denen es so unendlich schwer fällt, katholisch zu sein. Menschen, die Strukturdebatten bis zum Erbrechen führen und beim Glauben furchtbar einsilbig werden. Sie alle meinen, unsere Kirche hat ihre Faszination auf die Menschen verloren.

Ich kann darüber nur mitleidig lächeln. Wenn eine Kirche es schafft, einen verbohrten und hasserfüllten Neonazi zur Umkehr zu bewegen, dann muss sie etwas ausstrahlen. Dann muss sie faszinierend sein. Zumindest für mich hat sie ihre Faszination von damals nicht eingebüsst.

Aber auch Sie Heiliger Vater, haben nichts an Faszination verloren. Ich habe nach dem Mythos Ratzinger gesucht und ihn im unbedingten Bauen auf Christus, unseren Fels, gefunden.

Würde die Katholische Kirche in Deutschland heute immer noch mit Begeisterung skandieren „WIR SIND PAPST!“ – ich wäre diesmal dabei. Danke dafür.

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Written by Redaktion

16. April 2012 um 1:56 pm

Veröffentlicht in Persönliches

4 Antworten

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  1. Ein sehr schönes Zeugnis. Danke. Möge der Herr Ihren Einsatz für Sein Reich segnen.

    sacerdos viennensis

    16. April 2012 at 8:29 pm

  2. Schön !! Aussage einer „Craddle“-Katholikin. Erst seit kurzem weiß ich, was das ist. Also eine, die das immer schon war, also seit der Kindertaufe.

    Lisje Türelüre aus der Klappergasse

    16. April 2012 at 9:21 pm

  3. Sehr schönes Bekenntnis: vielen Dank dafür!
    Ich würde nur leicht ergänzen wollen „… im unbedingten Bauen auf Christus UND SEINEN STELLVERTRETER AUF ERDEN, unseren Fels…“
    Christus ist der Baumeister, der seine Kirche auf Fels und nicht auf Sand gebaut hat.

    Morgenes

    17. April 2012 at 9:03 am

  4. Schonungslos ehrlich geschrieben. Das kann auch jemand wie ich verstehen, der nie ganz weg war von der kath. Kirche. Was „Salz der Erde“ betrifft gebe ich ihnen recht. Das Buch hat meine Sichtweise auf Ratzinger auch komplett zum Positiven verändert, lange vor seiner Papstwahl. Der Mann ist ein theologisches und geisteswissenschaftliches Genie, aber er kann seine Gedanken so übermitteln, dass sie jeder verstehen kann. Das ist wahre Größe!

    Christian Hammerl

    19. April 2012 at 4:28 pm


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