STEFAN ROCHOW

Journalist & Autor

Vor 75 Jahren: Papst Pius XI. veröffentlicht „Mit brennender Sorge“

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Vor 75 Jahren veröffentlichte der Heilige Stuhl seine erste und bis heute einzige Enzyklika in deutscher Originalsprache. Mit dem Lehrschreiben Papst Pius XI. vom 14. März 1937 unter dem Titel „Mit brennender Sorge“, erkannte der Vatikan früher als manch anderer politischer Akteur, dass man mit Hitler-Deutschland nicht verhandeln kann.  „Mit brennender Sorge und steigendem Befremden beobachten wir seit geraumer Zeit den Leidensweg der Kirche, die wachsende Bedrängnis der … Bekenner und Bekennerinnen inmitten des Landes und des Volkes, dem St. Bonifatius einst die Licht- und Frohbotschaft von Christus …gebracht hat.“, so der Papst in den ersten Zeilen seiner Enzyklika.

Für die nationalen Sozialisten in Deutschland war diese deutliche Stellungnahme des Oberhauptes der Katholischen Kirche ein Ärgernis. Es war ein doppeltes Ärgernis dahingehend, da es nicht gelang, die Veröffentlichung in Deutschland zu unterbinden. Auf geheimen Wegen, wurde das Schreiben des Heiligen Vaters nach Deutschland geschickt und am Palmensonntag des Jahres 1937 von allen Kanzeln der Kirchen verlesen.

Die Enzyklika „Mit brennender Sorge“, war in zwei zentrale Teile eingeteilt. Im ersten Abschnitt befasst sie sich mit der Haltung der Nationalsozialisten gegenüber der Kirche. Offen wird hier ausgesprochen, dass das nationalsozialistische Deutschland einen Vernichtungskampf gegen die Katholische Kirche führt. Dann folgt der dogmatische Teil der Enzyklika, der sich mit den zentralen christlichen Glaubenssätzen befasst. Gottesglaube, Christusglaube, Kirchenglaube, Grundsätze über Moral, Sittlichkeit und Naturrecht werden in deutlicher Weise den Irrtümern der nationalsozialistischen Ideologie gegenübergestellt. Ganz klar werden hier nationalkirchliche Gedanken – die schon damals Teile des deutschen Katholizismus erfassten – zurückgewiesen. Gebe es eine nationale Religion, so macht Pius XI. unumwunden klar, dann müsse man sich vom Alten Testament als einem jüdischen Einfluss verabschieden. Recht ist eben nicht nur, was dem eigenen Volk nützt. Glasklar stellt der Heilige Stuhl den christlichen Glauben gegen die Inhalte nationalsozialistischer Ideologie. Ohne irgendwelche taktischen Umschweife, verurteilt Rom sowohl die nationalsozialistische Herrschaftspraxis als auch die weltanschaulichen Grundlagen, auf denen diese Ideologie aufgebaut wird.

In einer Zeit als noch viele Regierungen in Europa – allen voran Großbritannien – mit Sympathie oder Desinteresse auf die deutschen Verhältnisse schaute, fand der Heilige Stuhl deutliche und  ablehnende Worte.  Bis heute gilt: Nationalismus und katholischer Glaube, schließen sich gegenseitig aus.

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Written by Redaktion

14. März 2012 um 12:41 pm

Veröffentlicht in Religion

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