STEFAN ROCHOW

Journalist & Autor

Aly über Gauck und den Holocaust

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Ungenügendes Holocaustgedenken – ein Vorwurf, der wie ein Schwert niedersaust. Dem Angesprochenen kann das schneller den Kopf kosten als ihm lieb sein dürfte. Auch der designierte Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, sah sich in den letzten Tagen dieses Vorwurfes ausgesetzt. Es war vor allem die taz, die Joachim Gauck vorwarf, den Holocaust zu relativieren. Wie viele anderen Meinungsmacher auch, tritt die taz als moralische Instanz gegen Gauck auf. Dabei legen sie eine Distanziertheit an den Tag, die Angst macht. Gerade weil unsere Gesellschaft immer noch ungenügend bereit ist, sich mit den Denkstrukturen zu beschäftigen, der hinter menschenverachtenden, totalitärem Denken steckt, kann keine Entwarnung gegeben werden. »Humanität ist nie im sicheren Hafen. Sie zerfällt oder wird beschädigt, wenn Ratio und Moral gegeneinander stehen. Unsere Zivilisation ist nicht Geschichte im Endstadium, sondern vorübergehend gesicherte Existenzform.«

Joachim Gauck hat recht. Der taz-Autor, und nicht nur er, erschauert vor der »Singularität des wahnhaften Mordens« und fühlt sich deshalb auf der vermeintlich sicheren Seite der Geschichte. Gauck tritt dagegen als Skeptiker, als Geschichtspessimist in die Arena, als nachdenklicher Humanist, der mit den Abgründen des Menschlichen rechnet. Er weiß, dass seine beiden Eltern wie viele Millionen andere Deutsche Hitler nachgelaufen sind und sich doch nicht wesentlich von uns Heutigen unterschieden. Er weiß mit Raul Hilberg, dass die deutsche »Vernichtungsmaschine« Ergebnis moderner Zweckrationalität war. Deshalb kann sich ein Verbrechen wiederholen, das in seiner Struktur dem Holocaust ähnlich ist. Wer das nicht sehen will oder einfach »entlastende Erklärungsmuster akzeptiert«, der macht sich »potentiell suizidaler Blindheit« schuldig.  http://www.zeit.de/2012/10/Gauck-Holocaust

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Written by Redaktion

5. März 2012 um 5:13 pm

Veröffentlicht in Gesellschaft und Politik

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