STEFAN ROCHOW

Journalist & Autor

Der Don Quijote des Reformkatholizismus

with 2 comments

In der vergangenen Woche haben wir wieder etwas dazugelernt: In unseren Reihen haben sich „protestantisch veranlagte Katholiken“ breit gemacht!

Das ist doch nicht neu, wird mancher nun entgegenhalten. Wir merken doch schon seit Jahren, dass es in unseren Reihen Menschen gibt, die aus dem Katholizismus eine wohlfeile, angepasste und seichte Kuschelreligion machen möchten. Christentum soll zu einem reichlich verdünnten Wellnessprogramm entstellt werden,  das die arg malträtierte menschliche Seele streichelt und nie Forderungen erhebt. Es soll dem Gelegenheitschristen einfach nur gut tun. Mit großem Eifer soll ein Besinnungsprogramm für die Pausen herbeireformiert werden, dass immer dann zu Einsatz kommt, wenn der Mensch gerade einmal zwischen Karriere, Konsum, Sorge um die Börsenkurse, Klimawandel, Gender-Mainstreaming, feministischer Häkelkreis und andere verquerte Selbsterfahrungsgruppen, Zeit erübrigen kann.

Vollkommen richtig – das ist wirklich alles nicht neu. Als Bundestagspräsident Norbert Lammert in der vergangen Woche vor der Hamburger Studentengemeinde seine Utopien über die Zukunft der Katholischen Kirche zurechtbastelte, waren wir alle schon manche Stilblüte aus dem Munde des protestantisch-(katholischen?) Don Quijote für Piep,Piep,Piep – wir haben uns alle lieb – Christen gewohnt.

Der von Miguel de Cervantes in seinem Roman „Don Quijote“ beschriebene übergeschnappte spanische Edelmann, wirkt irgendwie noch sympathisch, wenn er plötzlich in die Rolle eines fahrenden Ritters schlüpft, um die Welt zu retten. Von seiner fixen Idee dermaßen besessen, macht ihn das gegenüber der Realität vollkommen blind.

Da wird aus einer ordinären Schenke ein gut bewachtes Kastell, die dort herumlungernden Prostituierten, verwandeln sich in den Augen des Romanhelden zu Edelfräuleins. Im Wirt sieht der offensichtlich verwirrte Quijote einen tapferen Ritter, der ihm selbst den Ritterschlag versetzen muss. Tollkühn legt er sich mit der gesamten Welt an, bis er zum Schluss von Maultierknechten fürchterlich verprügelt wird. Ein gutmütiger Bauer hat Mitleid und bringt den Junker wieder in sein Dorf nach Hause.  Don Quijote gibt aber noch lange nicht auf und versteigt sich weiter in seiner Scheinwelt. Allmählich sinkt der Held zu einem armen, kranken, irrsinnigen Narren herab, der von anderen gefoppt wird.

Der deutsche Don Quijote aus dem Bundestag hingegen, kämpft zwar für wahnwitzige Ideen, reitet aber nicht mit seinem klapprigen Pferd Rosinante gegen Windmühlen an. Nein, Norbert Lammert, träumt von einem „Befreiungsschlag“, den er aber unter Papst Benedikt XVI. nicht mehr erwartet.

Wie diese „Befreiungsschläge“ aussehen sollen, das wurde schon am Anfang des vergangenen Jahres deutlich, als er zusammen mit anderen wackeren RitterInnen von trauriger Gestalt, die katholischen Bischöfe aufforderte, das Eheverbot von Priestern aufzugeben. Auch am Abend in der Hamburger katholischen Studentengemeinde, erneuerte er diese Forderungen. Wie von einer fixen Idee besessen, führt Lammert hier ausschließlich Strukturdebatten, die zu nichts führen werden, wenn nicht auch Glaube dahintersteht. Selbst zusammengebastelte Vaterunser-Gebete, mögen zwar auf den ersten Blick nett und innovativ erscheinen, sind aber spätestens dann fragwürdig, wenn der Verslein-Schmied sich immer wieder als Windmühlen-Kreuzzügler betätigt.

Mit seiner Selbstbezichtigung als „protestantisch veranlagter Katholik“ hat er nun aber die Karten auf den Tisch gelegt. Seien wir Lammert daher dankbar.

Bisher ist dieser Personenkreis immer beleidigt gewesen, wenn ihm unterstellt wurde, sie würden an einer völlig anderen Kirche arbeiten. Sie tarnten ihr unheilvolles Wirken unter so schön klingenden Namen wie „Aufbruch“, „Reform“, „Kirche den Menschen zugewandt“ oder die „Kirche den Erfordernissen der Zeit anpassen“ zu wollen. Nun muss auch der letzte Katholik erkennen, was hier gehauen und gestochen wird: Es geht nicht um eine Reform der Kirche, sondern darum, der Kirche einen protestantischen Stempel aufzudrücken und damit ein Erneuerungsprogramm einzuleiten, an deren Ende eine völlig andere Kirche steht.

Seien wir wachsam, nicht auf diesen nur auf den ersten Blick anmutig wirkende Sirenengesang aus Lammerts Mund, aber auch aus dem Mund von anderen „Reformbewegten“ hereinzufallen. Die von ihnen bis heute geschaffenen Tatsachen, sprechen eindeutig gegen ihre Verlockungen. Sie haben den katholischen Glauben soweit verloren, dass sie heute nicht mehr klar verstehen, dass dieses säkularisierte und humanisierte Gebilde, dass ihnen mit der Heiligen Kirche vorschwebt, eben nicht mehr die Kirche Jesu Christi ist. Die Verkündigung der Offenbarung Christi kann nicht verwässert und verändert werden, um durch Experimente festzustellen, was nun in der Welt am besten zieht und ankommt.

Dass Norbert Lammert, bedingt durch seine offen zur Schau gestellten Geisteshaltung, Papst Benedikt XVI. als Feindbild für seine Utopien erkannt hat und sich daher einen „nichteuropäischen Papst“ wünscht, ist verständlich. Doch, um hier noch einmal auf das Bild von Don Quijote zurückzukommen, scheint sich der Bundestagspräsident in seiner eigenen Traumwelt verfangen zu haben.

In Lateinamerika wird die Kirche im Moment an vielen Stellen, so z.B. in Ecuador, Paraguay oder Venezuela, von linksradikalen Kirchenkritikern bedroht und muss sich ihrer Haut wehren. Eine Kirche mit diesen Erfahrungen, weiß sehr wohl einzuschätzen, wo ihre Wurzeln liegen und wie wichtig Trennschärfe ist. In Afrika, einem Kontinent der mit einem stark anwachsenden Islam zu tun bekommen hat, ist die Trennschärfe der kirchlichen Würdenträger ebenso gefragt. Der Katholischen Kirche auf beiden Kontinenten ist eines nicht abhanden gekommen, was man in der deutschen Kirchendebatte immer wieder schmerzlich vermisst: Der Glaube! Es ist daher nicht davon auszugehen, dass ein außereuropäischer Papst die Sperenzchen der Lammert-Truppe dulden würde. Seine Vorstellungen von Veränderungen unter einem nichteuropäischen Papst durchsetzen zu können, ist und bleibt daher ein progressives Wunschgebilde.

Doch war am Abend in Hamburg nicht nur Don Qijote – Lammert anwesend. Nein, er hatte sich auch seinen Sancho Panza mitgebracht. Zumindest konnte man auf den Gedanken kommen, wenn man die Äußerungen von Weihbischof Hans-Jochen Jaschke hört.

Der Romanheld Panza begleitet – kurzerhand zum Knappen ernannt – seinen Herrn. Die Beweggründe sind aber vollkommen verschieden. Während Quijote in seine Idee geradezu vernarrt ist, ist Panza durchaus realistisch, aber auch bauernschlau. Ausschließlich auf den Vorteil eines guten Essens bedacht, begleitet er Quijote auf seinem Kreuzzug.

Es wäre eine Unterstellung zu behaupten, dass Weihbischof Jaschke nach der Veranstaltung ein gutes Essen von Lammert spendiert bekommen hat. Trotzdem schien er sich in der Rolle des Sekundanten der wahnwitzigen Lammert-Ideen wohlzufühlen. Zwar warf er in der Frage Abschaffung des Zölibats vorsichtig realistisch ein, dass nicht die Bischöfe einfach diesen auflösen können. Er wolle genauso wenig einen „Generalstabsplan, auch nicht aus Rom“ wie Maximalforderungen im Hinblick auf die Priesterweihe von Frauen. Sinnvoller sei es mit dem Diakonat für Frauen zu beginnen.

Zumindest in de Cervantes Roman, fügt sich zum Schluss alles zum Guten. Der als Narr gelebte Don Quijote, wird am Schluss doch noch weise. Er sieht seine Torheiten und Verblendungen ein und schlummert in diesem Wissen als guter Christ und kluger Mensch sanft ein.

Diese Erkenntnis ist, zumindest im Moment, weder von Bundestagspräsident Lammert noch von Weihbischof Jaschke zu erwarten. Daher möchte man ihnen in wage Anlehnung an das achte Gebot zurufen: Du sollst keinen pseudokatholischen Stuss erzählen!

Advertisements

Written by Redaktion

14. Januar 2012 um 6:53 pm

Veröffentlicht in Religion

2 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. […] Freiburgbärin Stefan Rochow (Deutschland pro Papa) hat in seinem Blog unter dem Titel „Der Don Quijote des Reformkatholizismus“ die wunderliche Rede des Bundestagspräsidenten Lammert treffsicher analysiert und […]

  2. […] Rochow (Deutschland pro Papa) hat in seinem Blog unter dem Titel „Der Don Quijote des Reformkatholizismus“ die wunderliche Rede des Bundestagspräsidenten Lammert treffsicher analysiert und […]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: