STEFAN ROCHOW

Journalist & Autor

Wenn die Möbelpacker dreimal klingeln: Eine Provinzposse aus Meck-Pomm

leave a comment »

„Unterm Dach juchhe, unterm Dach juchhe“ – so fängt ein Kinderlied an. Trotzdem mag nicht jeder diesen Jubel anstimmen. Im Schweriner Schloss, tobt im Moment ein recht bizarrer Rechtsstreit, in dem das Dachgeschoss eine tragende Rolle spielt. Mit der Neukonstituierung des neuen Landtages, soll NPD-Fraktionsvorsitzender Udo Pastörs nämlich zusammen mit weiteren Mitarbeitern, von der zweiten Etage ins Dachgeschoss ziehen. Der Rest seiner Truppe sitzt schon seit 2006 unterm Dach und daher könnte man meinen, dass mit der Zusammenlegung Friede-Freude-Eierkuche unter den Kameraden herrschen würde. So ist es aber nicht: Insgesamt vier Mal zog man nun schon vor ein Gericht, um den Umzug juristisch untersagen zu lassen. Nun hat auch das Landesverfassungsgericht dem Ansinnen der NPD-Fraktion durch eine einstweilige Anordnung den Umzug zu verhindern, eine klare Absage erteilt. Eine Verletzung der Fraktionsrechte – wie die Pastörs-Truppe behauptet – kann das Gericht nicht erkennen.

Pastörs hatte im Vorfeld verbreiten lassen:  „Die Verwaltung und die Gegner der NPD wollen unsere Fraktion aus dem öffentlich schwer zugänglichen Bereich des Landtages verbannen. … Der für mein Sekretariat und mein Büro zugedachte Bereich im sechsten Stock ist eine Zumutung seitens der Verwaltung.“ Offensichtlich sind Pastörs die angebotenen Räumlichkeiten nicht repräsentabel genug.

Soviel Eitelkeit und um es im Jargon der Pastörs-Truppe zu sagen „Verbonzung“, wirft dann doch ein bezeichnendes Licht auf die Brigade um Pastörs: Tönt man immer großspurig, dass man „Politik zuerst für Deutsche – für Familie, Volk und Heimat mache!“, ist es dann im Zweifelsfall doch nur  Politik für die eigenen Interessen. Das ist die NPD-Selbstbedienungsmentalität, die sonst bei den „Altparteien“ immer wieder lauthals angeprangert wird. Schon heute kündigte die Fraktion an, mit dieser Provinzposse nun das Landesverfassungsgericht noch einmal im Hauptsachverfahren zu behelligen.

Wie war der Slogan der NPD im Wahlkampf: „Wir packen an!“?  Beim Umzug von der zweiten Etage ins Dachgeschoss, wird nun auch jede helfende Hand gebraucht! Noch einmal zum Kinderlied: „Unterm Dach juchhe, unterm Dach juchhe, hat der Spatz seine Jungen“. Nun gesellt sich auch Udo Pastörs dazu.

Advertisements

Written by Redaktion

28. Oktober 2011 um 1:34 pm

Veröffentlicht in Gesellschaft und Politik

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: