STEFAN ROCHOW

Journalist & Autor

Norwegen, Fundamentalisums und das Hoffen auf Gott

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Gestern war in Norwegen ein schwarzer Tag. Während im Regierungsviertel in Oslo eine Bombe hochging, griff ein vermutlicher Rechtsextremist auf der Insel Utöya eine sozialistische Jugendgruppe an und tötete mindestens 85 Jugendliche. Dieses Verbrechen macht eines deutlich: Fundamentalismus ist kein Phänomen, das nur im Islam zu finden ist. Wir machen es uns zu einfach, wenn wir so tun, als sei die westliche Welt vor dem Virus fundamentalistischen Handels gefeit.

Fundamentalismus gehört zum Wesen der Menschheit. Fundamentalismus lässt sich nicht einfach nur an einem bestimmten System, einer bestimmten Weltanschauung oder Religion festmachen. Es gibt einen fundamentalistischen Umgang mit bestimmten Grundfragen des menschlichen Zusammenlebens fertig zu werden. Daher ist der Fundamentalismus die Urversuchung des Menschen, weil er die Illusion vermittelt, es gäbe einfache Lösungen. Der Fundamentalist ist der Auffassung, dass er die Wahrheit besitzt. Das macht ihn immun gegen jegliche Kritik und aus diesem Grunde verweigert er sich oftmals dem Dialog. Er glaubt mit seiner Wahrheit einen unerschütterlichen Boden unter den Füssen zu haben und merkt daher nicht, dass er nur auf Sand gebaut hat. Fundamentalismus kann daher sehr schnell dazu führen, in dem Gegner den vernichtungswürdigen Feind zu sehen, dem jegliche menschliche Züge abgesprochen werden. Die Tötung dieses Feindes kann daher sehr schnell die letzte Konsequenz des zusammengezimmerten Weltbildes sein. Die gestrigen Ereignisse in Norwegen sind ein blutiges Beispiel.

Mich berührt das Verbrechen auf der Insel Utöya persönlich, da ich selbst einmal im Strudel fundamentalistischen Denkens verfangen war. Sicher, ich wäre nie so weit gegangen, andere Menschen zu töten – trotzdem war ich ein Gefangener nationalistischen Fundamentalismus. Ich glaubte, dass ich die Wahrheit gefunden hätte, dass ich die Lösung aller Probleme in der Welt gefunden hätte. Wie blind und verbohrt ich eigentlich gewesen bin, das merkte ich erst sehr viel später. Ich merkte es aber glücklicherweise noch früh genug.

Daher bete ich für die Toten und Überlebenden in Norwegen. Ich bete aber auch für den Täter, der sich als Christ bezeichnet und sich von Gott so weit entfernt hat.

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Written by Redaktion

23. Juli 2011 um 7:32 pm

Veröffentlicht in Gesellschaft und Politik

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