STEFAN ROCHOW

Journalist & Autor

Meine Gedanken zum Dialogprozess

leave a comment »

Ich will ganz ehrlich sein – bisher hat sich mir die Existenzberechtigung des       Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZDK) nicht erschlossen. Als ich mich vor  nun gut 5 Jahren langsam auf den Weg in Richtung katholischen Glauben machte, da war es auch nicht das ZdK, das mich irgendwie dazu bewegte.  Für meinen Glauben spielte dieses Komitee also nie eine Rolle.

Katholisch ist für mich der Glaube, die Messe, das Evangelium, die Liturgie. Diese Dinge machen für mich den Reichtum einer Kirche aus, die Menschen anspricht. Warum sollte ich mich also vom ZdK von meinem Glauben ablenken lassen?

Die Antwort ist vielleicht ganz einfach: Das ZdK macht einen solchen Krach um sich und seine Forderungen, dass man nicht einfach stumm bleiben kann. Der  Hl. Bonifatius sagte einmal „Wir wollen keine stummen Hunde sein“ –  das sollten wir als katholische Christen besonders dann nicht sein, wenn unser Glauben aus den eigenen Reihen angegriffen wird.

Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich dazu entschlossen, mit den Laiengremien einen sogenannten Dialogprozess zu initiieren. Unter dem Motto „Im Heute glauben“ werden alte Hüte wie die Abschaffung des Zölibats, die Kommunion Wiederverheirateter, Gemeinsames Abendmahl und das Diakonat von Frauen als Vorstufe zur Priesterweihe von Frauen wieder einmal hervorgezaubert – wirklich keines dieses Themen berührt unseren Glauben oder beschäftigt sich damit. Vielmehr drängt sich mir der Verdacht auf, dass hier eine „Do-it-yourself-Religion“ zusammengezimmert wird, die rein gar nichts mit dem katholischen Glauben zu tun hat. Ist es also wirklich sinnvoll, dass hier Menschen ein Forum gegeben wird, die mit sehr lokalen Themen versuchen, von den wirklichen Themen in der Weltkirche abzulenken. Mir persönlich ist es nämlich schlichtweg egal, dass es in der Kirche Menschen gibt, die Anstoß daran nehmen, dass es zölibatäre Priester gibt. Mich überzeugen Menschen, die Gott eine so hohe Priorität einräumen, dass sie die hohen Werte von Familie und Ehe nicht zu verwirklichen vermögen. Daher habe ich großen Respekt und eine hohe Achtung vor katholischen Priestern. Dabei ist es mir herzlich egal, ob es nun den Vereinsmeiern der selbsternannten Laienvertretungen passt oder nicht.

Ein Dialogprozess der die Probleme der Zukunft im Blick hat, sollte sich damit beschäftigen, warum heute nur noch 13 Prozent der Katholiken wirklich in die Kirche gehen? Die Kirche hat in den letzten Jahrzehnten ihre Arme so weit ausgebreitet, dass ich an mancher Stelle den Eindruck gewonnen habe, dass sie hierbei ihre Seele verloren hat. Die Kirche ringt darum, dass ihr Innerstes, das ganz bewusst in den letzten Jahrzehnten verschüttet wurde, wieder freigelegt werden muss.  Das ist von einem Großteil der Laienvertretern, die sich zum Dialog in Mannheim eingefunden haben, nicht zu erwarten. Gerade im Hinblick auf den begonnenen Dialogprozess bin ich der festen Überzeugung, dass wir Menschen brauchen die sich vernetzen und zusammen etwas auf die Beine stellen. Der Katholizismus in Deutschland lässt sich nicht an Diskussionen um Frauenpriestertum, Zölibat und dem Sakramentempfang wiederverheirateter Menschen festmachen, sondern daran wie begeisternd und authentisch sich der katholische Glauben den Menschen präsentiert. Heute geht es darum, die Resignation und Müdigkeit, die auf unserem Land liegt und jeden Neuaufbruch erstickt, zu überwinden und der Hoffnung wieder Raum zu geben. Wir Katholiken haben eine wirkliche und starke Antwort auf die Frage nach dem letzten Sinn der Dinge. Gerade in einer säkularisierten Welt und einem oft atheistisch geprägtem Umfeld, brauchen wir Katholiken, die den Mut haben zu sich selber zu stehen und den eigenen Bedürfnissen zu folgen.

Achten wir als Katholiken in Zukunft wieder mehr auf die innere Form und verhindern wir gemeinsam, dass das unser dogmatisches Tafelsilber einfach so ungeprüft verschleudert wird, nur weil es uns als überholt eingeredet wird. Geben wir der Kirche einfach wieder Gestalt und überzeugen wir damit. Der Spiegel-Journalist, Matthias Matussek, beschreibt in seinem Buch „Das katholische Abenteuer“ ein Erlebnis in New York. Dort predigt ein Priester über die Form und stellt fest: Ein Ritual ohne Glaube ist leer, aber ein Glaube ohne Ritual ist gestaltlos.“ Darüber gilt es zu diskutieren. Für mich ist die Formensprache ebenso wichtig wie der Inhalt. Wären das nicht Themen über die man reden sollte? Warum fanden in der Auswahl zum Dialogprozess nicht auch die Gemeinschaften Berücksichtigung, die die Kirche lieben und die Menschen mit dieser Liebe anstecken möchten? Wäre es nicht gerade im Hinblick auf die vom Papst eingeforderte Neuevangelisierung wichtig, hier die Möglichkeiten und Ideen in den Dialogprozess einzubauen? Stattdessen wurden die Nörgler und engstirnig provinziell Denkenden hinzugeladen. Eine Hilfe oder Zukunftsgedanken sind daher wahrscheinlich aus dieser Runde nicht zu erwarten.Das ZdK und sein Anhang wird auch in Zukunft keine Relevanz für mich haben. Ich möchte kein stummer Hund sein, aber auf Ablenkungsdiskussionen werde ich mich nicht einlassen.

Advertisements

Written by Redaktion

10. Juli 2011 um 6:56 pm

Veröffentlicht in Religion

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: