STEFAN ROCHOW

Journalist & Autor

Sie haben für die christliche Wahrheit Zeugnis abgelegt

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Am vergangenen Wochenende wurden die als „Lübecker Märtyrer“ bekannten drei katholischen Kapläne seliggesprochen. Gleichzeitig wurde dem protestantischen Pastor Karl Friedrich Stellbrink gedacht, der zusammen mit den Kaplänen Johannes Prassek, Hermann Lange und Eduard Müller am 10. November 1943 hingerichtet wurde. Alle vier hatten in Predigten und Glaubensgesprächen die Verbrechen der Nationalsozialisten angeprangert. Weil für Christen die Würde des Menschen und Lebensschutz zentrale ethische Aussagen sind, wollten sie nicht schweigen, wenn die Nationalsozialisten von „lebensunwertem Leben“ sprachen und Geisteskranke ermordeten. Mit ihrem Zeugnis, das letztlich mit dem eigenen Blut besiegelt wurde, sind sie für viele Menschen zu Glaubenszeugen geworden, Gott über die Menschen zu stellen.

Doch welche Bedeutung haben die vier Lübecker Märtyrer für uns und unseren Glauben? Diese Frage hat mich am gestrigen Tag in Lübeck besonders bewegt. Walter Kardinal Kasper brachte es in seiner gestrigen Predigt auf den Punkt: „Es braucht auch heute aufrechte Männer und Frauen, die sich nicht anpassen, die in christlicher Freiheit für ihren Glauben einstehen, die anders denken, anders reden und anders leben, Männer und Frauen, die überzeugt sind: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen (Apg 5,29). Die Themen, um die es damals ging, geht es in anderer Weise auch heute: um die Würde des Lebens und das Recht zum Leben, Krieg und Gewalt, Fremdenfeindlichkeit, damals vor allem gegenüber Juden, es geht heute um die neuen Idole: Konsum, Geld, Prestige, Macht, Einfluss, Sexappeal.

Man kann heute wie damals mit christlichen Positionen auf scheinbar aussichtslosem Posten stehen. Als Christ kann man nicht immer auf der Siegerseite stehen. … Bloßes Namenchristentum taugt nichts. … es sind nicht die scheinklugen Kompromissler, es sind die mutigen Zeugen, welche für die Zukunft des Christentums und für den Aufbau einer christlich-humanen Kultur in unserem Land stehen.“

Wie oft erleben wir den offiziellen Raum der Kirche als „Wellness-Christentum“. Die Zustimmung in Medien und durch die Politik ist manchmal wichtiger als das Wagnis auch einmal gegen den Strom zu schwimmen. Die Märtyrer zeigen uns hier eine ganz andere Haltung auf – sie begehren auf, wo Widerspruch notwendig war.

Wir leben heute in keiner Diktatur – trotzdem ist aber auch die Demokratie nicht von totalitären Tendenzen frei. Bestimmte gesellschaftliche Eliten haben in Medien und in politischen Machtzirkel dazu angesetzt, das unabhängige und kritische Denken auszuschalten und die eigenen Dogmen und Tabus jeder freien Diskussion zu entziehen. Hinter dem Tarnschleier von Demokratie, Humanität, Toleranz und Menschlichkeit ist eine Diskussionskultur entstanden, die Vertreter jeder vom vermeintlichen Mainstream abweichende Meinungen zu ausgrenzungswürdigen Unpersonen abstempeln möchten. Im Kampf um die Meinungshoheit in unserer Republik ist heute fast alles erlaubt: die brutalste Verleumdungen und die unverfrorene Vorgabe von angeblichen politischen Wahrheiten. Was sich hier seit vielen Jahren zusammenbraut ist kreuzgefährlich und bedroht die Meinungs- und Gewissensfreiheit nachhaltig.

Ob in der Frage der Unantastbarkeit der Ehe gegenüber gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften, Schutz des ungeborenen Lebens oder des Lebensschutzes allgemein: Es gehört wieder Mut dazu, hier als Christ gegen den Strom zu schwimmen!

Die Lübecker Märtyrer sind mir in den letzten zwei Jahren daher auch ganz persönlich Wegbegleiter geworden. Besonders die Beschäftigung mit dem evangelischen Pfarrer Stellbrink, hat mich sehr bewegt. Ich entdeckte mich manchmal in dem Lebensweg von Karl Friedrich Stellbrink wieder.

Stellbrink, der als Nazi nach Lübeck kam, bemerkte nach und nach, wie menschenverachtend und christenfeindlich die nationalsozialistische Ideologie ist. Spätestens nachdem er sah, dass bei einer Beerdigung eines örtlichen hohen Funktionärs der NSDAP in der Kapelle das Kruzifix mit einem Mantel verhängt wurde, war klar, dass es keine Synergien zwischen seinem tiefen Glauben und der Naziideologie geben kann. Deutlicher konnte ihm der wahre Charakter des Nationalsozialismus nicht vor Augen geführt werden. Nun nährte er sich den drei katholischen Kaplänen an und es entwickelte sich ein freundschaftliches Verhältnis. Sein Antikatholizismus und seine Judenfeindlichkeit, war nun einer Offenheit gewichen, die letztlich zum ökumenischen Martyrium unter dem Kreuz Christi führte. Pastor Stellbrink ging in seinem Leben einen langen Weg. Zum Schluss wurde es um ihn einsam und die evangelische Kirche, damals zu einem großen Teil Hitler verfallen, trennte sich von ihrem aufmüpfigen Pastor. Stellbrink selbst aber hatte Freiheit gewonnen und für die christliche Wahrheit Zeugnis abgelegt.

Die Lübecker Märtyrer können uns daher sehr gut Vorbild sein. Auch heute brauchen wir Christen, die den Mund aufmachen und Mut haben zu widersprechen. Anpassung und das Gehen der breiten Strasse des Mainstreams darf auch heute nicht für Christen in Frage kommen. Seien wir daher dankbar, dass uns die Lübecker Märtyrer immer wieder an unsere Verpflichtungen erinnern, getreu dem Spruch des Tertullian: „Das Blut der Märtyrer ist der Same für die Christenheit.“

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Written by Redaktion

26. Juni 2011 um 8:23 pm

Veröffentlicht in Religion

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