STEFAN ROCHOW

Journalist & Autor

Ist der deutsche Katholizismus gespalten?

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Pfingsten ist die Geburtstunde der Weltkirche. Kurz vor diesem Geburtstag, gerieten offenbar die Zustände der Katholischen Kirche in Deutschland in das Visier des Vatikans. Andrea Tornielli von der Zeitung „La Stampa“ aus Italien schreibt von einem „Geheimdossier“, das im Vatikan seit kurzem kursiere. Darin wird von einer „konspirativen Hierarchie“ in Deutschland gesprochen, die kurz vor dem Besuch Papst Benedikt XVI., den Heiligen Vater gezielt „in die Ecke drängen“ möchten. Mit der immer gleichen Leier von der Abschaffung des Zölibats, des Frauenpriestertums und die Umwandlung der Kirche Christie in eine reine Abstimmungsgemeinschaft, werde gezielt an der Entfremdung von der Weltkirche gearbeitet. Das Dossier bleibt nicht nur im Ungefähren – ganz konkret werden Verbände, Organisationen, Gremienzirkel und Politiker beim Namen genannt, die an einem nationalkirchlichen Katholizismus in Deutschland arbeiten. Die Katholische Kirche in Deutschland ist heute gespalten zwischen neukirchlich orientierten und romkritischen „Nationalkatholiken“ und romtreuen „Weltkatholiken“. Das führt zu Spannungen, die es zwar schon seit längerem in Deutschland gibt, die aber nie mit solcher Vehemenz wie in letzter Zeit hervorgetreten sind. Es wäre nur zu verständlich, dass sich Rom über diese Entwicklungen Sorgen macht.

Der Vatikankorrespondent des „Tagespost“, Guide Horst, berichtet auf seinem Blog „Römische Warte“ über eine Begegnung mit einem deutschen, nicht namentlich genannten Monsignore im Vatikan, der die Existenz des Vatikan-Dossiers verneinte. Was ist nun also der Existenz eines solchen Dossiers dran?

Egal ob es dieses Dossier existiert oder nicht: Die benannten Tatsachen sind nicht zu leugnen. Aus Kirchenmitteln finanziert, sind Kräfte im Innenraum der Kirche am Werk, ihre eigenen kirchenpolitischen Vorstellungen gegen die Weltkirche durchzusetzen.

Als protestantischer Konvertit, ehemaliger Nationalist und heute überzeugter Katholik, frage ich mich: Was hält diese Schwerenöter, denen der katholische Glauben eine solche Belastung geworden ist, eigentlich noch in der Kirche? Keiner ist doch gezwungen, ständig leidend, voller Scham und zerknirscht Glaubensakrobatik zu betreiben.

Der Reformkatholizismus in Deutschland hat die Möglichkeit sich mit anderen kirchlichen Gemeinschaften zu einer Zeitgeistinstitution zusammen zu schließen. Vulgär-politische Diskussionen über Atomausstieg, gemeinsames Beten mit den Taliban, globales Wirtschaften und einem naiven Traum von einer – wie auch immer gearteten – anderen Welt, können dann das „peinliche“ Sprechen über Gott ersetzen. Kreuzzeichen, Realpräsenz Jesu während der Eucharestiefeier, Marienverehrung, Himmel, Hölle, Fegefeuer, Bevormundung durch Rom und das Credo, welches in seinem Glaubenbekenntnis auf Reformkatholiken „befremdlich“ wirkt – allem hätte man sich auf einen Schlag erledigt. Margot Käßmann und Hans Küng könnten die neuen Anführer eines trivialisierten Glaubens sein, der mitunter besser in Welt zu passen scheint als der Katholizismus mit seinen überzeitlichen Aussagen.

Hätten die „Nationalkirchler“ den Mut zu diesem ehrlichen Schritt, hätten sie meinen Respekt und meine Hochachtung. Eine befürchtete Kirchenspaltung wäre vermieden und alle Seiten wären glücklich und zufrieden. Für die antirömische Hierarchie bedeutete dieser Schritt allerdings Verzicht auf sichere finanzielle, üppige Bezüge. Vielleicht ist das der Hauptgrund für das „tapfere“ Ertragen des Kreuzes mit der Katholischen Kirche.

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Written by Redaktion

13. Juni 2011 um 11:21 am

Veröffentlicht in Religion

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