STEFAN ROCHOW

Journalist & Autor

Damit das Glaubensbekenntnis keine „fundamentalistische Zumutung“ bleibt

with one comment

Auf einem evangelischen Kirchentag, da kannst Du etwas erleben! So stand eine Diskussionsveranstaltung unter dem Motto:„ Apostolisches Glaubensbekenntnis: Schatz oder Ballast?“. Der Publizist Christian Nürnberger aus Mainz, der sich selbst als Agnostiker bezeichnet, der aber seiner evangelischen Glaubensgemeinschaft treu bleibt, stellte fest, dass das Glaubensbekenntnis für ihn wie ein Museumsgegenstand sei – es sein interessant anzuschauen, aber ein Wortspiel, das ausgedient habe.

Der zweite „Impulsgeber“ in dieser Runde, der Superintendent im Ruhestand Herbert Koch aus Garben, geht noch einen Schritt weiter. Für ihn ist das Glaubensbekenntnis eine „fundamentalistische Zumutung“. In ihm sieht er einen wesendlichen Grund für die rückläufige Teilnahme an Gottesdiensten. Eine Hauptschwierigkeit ist aus Sicht des protestantischen Theologen die „übernatürliche Biographie Jesu“. Die Jungfrauengeburt ist „eine fromme spätere Legende“. Auch rechne Koch nicht mit der Wiederkunft Christi zum jüngsten Gericht. Wörtlich Koch dazu: „Die Kirche rechnet sicher mit allerlei aber auf keinen Fall mit der Wiederkunft Christi.“

Solche Äußerungen, offensichtlich unwidersprochen in den Raum gestellt, machen Ökumene für Katholiken nicht gerade einfacher. Es ist irritierend, wenn ein evangelischer Pastor solche Äußerungen tätigt. Wenn man an Ökumene wirklich interessiert ist, dann sind derartige Veranstaltungen auf dem größten Treffen evangelischer Christen hinderlich. Was macht es denn für einen Sinn, einen Kirchentag durchzuführen, der dann mit Themen brilliert, die Christen eher verunsichern und misstrauisch machen?

Die katholische Journalistin, Publizistin und Schriftstellerin Barbara Wenz, hat auf ihrem Blog „Elsas Nacht(b)revier“ für Herrn Koch ein Glaubensbekenntnis formuliert, dass vielleicht weniger fundamentalistisch ist und die Glaubenswelt von Herrn Koch etwas besser beschreibt:

„Ich glaube an [… bitte ausfüllen …], das mich Annehmende, das Gleichmachende,
das kreative Prinzip unter dem Gras und hinter den Wolken,
und an Jesus Christus, dessen prophetischen Ableger, unseren Buddy,
empfangen nach einigen Gramm Tetrahydrocannabinol,
geboren aus meinem Bedürfnis,
gelitten unter Petrus,
gekreuzigt, scheintot zurückgelassen und begraben,
fast hinabgestiegen in das Reich des Todes,
grade noch rechtzeitig wieder aus dem Felsenloch geholt,
verschwunden und nimmer wieder gesehen;

er sitzet in meiner Phantasie, der allmächtigen Weltengestalterin;
von dort wird er kommen zu richten die „Christen“.

Ich glaube an das Heilige Gespenst,
die heilige universale Baumumarmung,
Gemeinschaft der Anti-Baby-Pillen-Benutzer,
Nichtexistenz der Sünde,
Tod des Besonderen
und die ewige graue Suppe. Amen.“

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Written by Redaktion

4. Juni 2011 um 11:33 am

Veröffentlicht in Religion, Uncategorized

Eine Antwort

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  1. Dieses Glaubensbekenntnis muss man umgehend der Evangelischen Kirche mitteilen. Ich bin mir sicher das es Einzug hält in viele Pfarreien.

    Sonst: Solche Beiträge auf evangelischen Kirchentage gibt es weil man früher mal meinte, man sei damit modern. Nur hat leider den Veranstaltern der Kirchentage nicht gesagt das Provokationen aus den 50er- und 60er-Jahren Heutzutage nur noch langweilig sind … vermutlich ist das auch der Grund warum in evangelische Gottesdienste so wenig Gläubige hingehen, während die katholische Kirche doch deutlich besser gefüllt ist.

    sttn

    20. Februar 2012 at 12:12 am


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